Ein Blick zurück: Die O-Woche 2018

Einen Monat ist die O-Woche nun schon her. Zeit, einen Blick zurück zu werfen. Natürlich könnten wir „alten Hasen“ jetzt reflektieren, was gut lief und was wir besser hätten organisieren können. Allerdings erschien es uns sinnvoller, mal einen „echten“ Ersti nach ihrer Meinung zu fragen. Denn nicht wir mussten uns auf dem Campus zurecht finden und das System Universität kennenlernen, sondern sie. Daher hat dieses Jahr eine unserer „neuen“ Stugierenden den Rückblick verfasst. Sina hat im Oktober angefangen an der Uni Germanistik und Linguistik zu studieren und für uns diesen Artikel geschrieben.

Die O-Woche: Eine Orientierungswoche für ahnungslose, verwirrte Erstis, damit sie hinterher vielleicht nur noch halb so ahnungslos und verwirrt sind. Die Gelegenheit für ältere Studenten, den Campus eine Woche auf den Kopf zu stellen und sich selbst eine Woche lang auf das geschäftige Semesterleben vorzubereiten.

Ich stieg aus dem Bus mit einem flauen Gefühl im Bauch, aufgeregt und schon ganz gespannt darauf, was mich in den kommenden Tagen erwarten würde. In meinen Händen hielt ich schon, sorgfältig auf einen Collegeblock geschrieben, meinen mühevoll ausgearbeiteten Zeitplan, wann ich zu welcher Veranstaltung gehen will. Denn das war so ziemlich das einzige, was ich zur Vorbereitung tun konnte. Alles andere zum Thema Studieren war als Ersti schließlich noch Neuland. „Geht zu allem was es gibt“ und „Nutzt jede Veranstaltung aus“ wurde mir gesagt. Die O-Woche sei entscheidend dafür, mit welchen Leuten man mich später auf dem Campus rumlaufen sehen würde und die Freunde aus der Uni sollen Freunde fürs Leben sein. Da lastet ganz schön viel Druck auf den Schultern. Lerne bloß jemanden kennen, damit du nicht alleine endest, sagte mir mein Kopf. Schon die Glashalle wirkte riesig, dabei steckt erst dahinter der Kern der Uni. Und so alt wie ich mich im letzten Jahr in der Schule gefühlt habe, so jung fühlte ich mich plötzlich auf dem Campus.

Ich machte mich eifrig auf den Weg zur ersten Veranstaltung. Im GW2 sollte die Einführungsveranstaltung für Germanistik  stattfinden. Man hatte mich schon vorgewarnt, dass das GW 2 von den Studenten auch liebevoll das „Labyrinth“ genannt wird. Noch verstand ich nicht wieso. In den nächsten 20 Minuten sollte ich aber zu spüren bekommen, wie verwirrend die unglaublich vielen Gänge auf drei Etagen sein können. Ich irrte in Fluren rum, die ich heute wahrscheinlich nicht mal wiederfinden könnte. Zwischendurch fragte ich zwar ein bisschen rum, aber jede Wegbeschreibung schien mich nur tiefer in die endlosen Weiten des GW2s zu führen. Schließlich traf ich auf zwei andere Erstis, die genauso suchend und verzweifelt aussahen wie ich. Zu dritt irrten wir gemeinsam weiter. Als wir endlich den richtigen Raum fanden, standen die Studenten schon hinter dem Türrahmen. Der Raum war so voll, dass niemand mehr drinnen Platz fand. Ich sah nichts und verstand wenig. Schon machte sich die erste Panik breit, dass ich irgendetwas Wichtiges verpasst hätte. Denn noch war studieren in meinen Augen unglaublich kompliziert. Ohne Stundenplan und mit einer Ahnung von nichts bekommt man da schon ein wenig Panik. Gerade deshalb bin ich im Nachhinein sehr dankbar für die O-Woche. Inzwischen finde ich mich einigermaßen im GW2 zurecht und plane genug Zeit ein, falls nicht. Um Dozenten zu lauschen muss ich wohl nie wieder hinter dem Türrahmen stehen. Inzwischen stehe ich nicht mehr mitten auf dem Boulevard und überlege in welche Richtung ich denn jetzt gehen muss. Und, zumindest hoffe ich das,  sehe ich inzwischen auch nicht mehr aus wie ein verschrecktes Reh, das nicht weiß wohin. Ich glaube für ältere Studenten muss es sehr amüsant sein, die „Kleinen“ der Uni zu beobachten. Ich schätze mal, in den ersten Wochen erkennt man sie schon von Weiten: Erstis, denen die Orientierungslosigkeit auf der Stirn geschrieben steht.

Die nächste große Hürde, die mir zugegeben ganz schön den Kopf zerbrach, war die Sache mit dem Stundenplan. Was, wenn man vergisst ein Seminar zu wählen oder das falsche wählt? Woher soll man denn wissen, was man wann auswählen soll und wie funktioniert dieses Phänomen Stud.IP? Ich denke, der Ahnungslosigkeit wegen, habe ich mich auf die an die Einführung anschließende Veranstaltung am Montag mit am meisten gefreut. Denn so richtig genießen konnte ich die O-Woche erst, als ich wusste, dass das Wichtigste erledigt war. Als wir alle saßen und der Großteil die komplizierte Prozedur des WLAN-Einrichtens überwunden hatte, begann der StugA uns zu erklären, wie Stud.IP funktioniert. Ich hatte mich schon vorher damit auseinandergesetzt, stieg aber wie so viele nicht ganz durch.

Doch als uns die älteren Studenten alles Wissenswerte zeigten, erschien mir das ganze schon viel einfacher als vorher. Wir klickten uns durch die Prüfungsordnung und das Veranstaltungsverzeichnis, schon machte alles gleich viel mehr Sinn. Sicherlich brauchte ich mehr als einen Versuch, alles so zurechtzuschieben, bis es am besten zusammenpasste und hundertprozentig sicher war ich mir natürlich immer noch nicht, ob ich nun wirklich alles richtig machte. Aber auf jeden Fall wusste ich mehr als vorher und hatte theoretisch einen Stundenplan auf meiner Stud.IP Seite, der mich das folgende Semester begleiten würde. Wie oft ich diesen noch umschmeißen musste, sollte ich erst nach dem offiziellen Studienbeginn erfahren.

Das nächste Highlight war die Veranstaltung „Tipps und Tricks“. Ich glaube in meinen Erinnerungen war das einer der lustigsten Veranstaltungen der O-Woche. Es fühlte sich an wie ein gemütliches Gespräch mit netten Leuten über den neusten Klatsch aus Bremen. In den zwei Stunden blieben einige Lacher nicht aus. Wir besprachen den „Ersti – Guide“, den ich sehr für Erstis empfehlen kann, die den Schritt vom Elternhaus und der gewohnten Heimatstadt hinaus in eine neue Stadt gewagt haben – aber natürlich auch allen anderen, denn bekanntlich kennt man nie alles von einer Stadt. Von den Knowhows der Uni über die besten Möglichkeiten in Bremen zu essen, zu shoppen oder nur auf einen Kaffee zu trinken bis hin zu Straßennamen und ihrer Herkunft plauderten wir in einer gemütlichen, freundlichen Atmosphäre. Für mich war diese Veranstaltung im Nachhinein auch maßgebend dafür, dass ich mich entschieden habe, dem StugA beizutreten.

Noch am gleichen Abend freuten sich wahrscheinlich die meisten Erstis auf die groß angekündigte Bollerwagentour und das Frühstück am Morgen danach.  Ich warne alle zukünftigen Erstis vor: esst vor der Bollerwagentour ordentlich, damit ihr eine Vorlage für reichlich Alkohol habt und rechnet damit, dass wenn ihr aufgefordert werdet, einen Kreis zu bilden, ihr auch gleich euren Shotbecher bereit halten könnt. Über verschiedene Aufgaben, wie sich ein Gedicht über die Bollerwagentour ausdenken und mit allem was man bei sich hat, die längste Kleiderkette legen, sowie einem Besuch beim Eisen und im La Viva ging der Abend bzw. die Nacht viel zu schnell rum. Und mit Stolz können einige Erstis, die neu nach Bremen zugezogen sind, von sich behaupten, dass sie offiziell getauft sind.  Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, zumal man wieder mit neuen Leuten in Kontakt gekommen ist und sich die ein oder anderen neuen Gesichter zu der neuen Freundesgruppe dazu gesellt haben. Ich denke ein an diesem Abend entstandenes Gedicht fasst das ganze Geschehen ganz gut zusammen:

Wir kamen an am Hauptbahnhof

und dachten, die sind alle doof.

Doch dann legten wir los

und die Party wurde groß.

Die erste Aufgabe gewannen wir ganz schnell,

denn unser Team ist ziemlich hell.

Ob Glitter, Schweine oder Gedicht,

trotz Alkohol, verschwommener Sicht

stören uns alle diese Aufgaben nicht.

Wir lösen sie im nu

und feiern… wuhu.

Doch dann schreit Sören: „Prost ihr Säcke.“

Und ich denke, dass ich gleich verrecke.

So viel Alk tut doch nicht gut,

aber na ja…wir sehen uns morgen,

macht’s gut!

Das Frühstück am nächsten Morgen erlebte ich als ein geselliges Zusammentreffen, um die O-Woche gelungen ausklingen zu lassen. Mit Tee oder Kaffee, einem Frühstücksbrötchen und vielleicht auch einem Keks zum Naschen saß man in einer großen Runde und startete gemeinsam in das Wochenende. Auch eine gute Gelegenheit, um Kontakte, die man durch die Gruppenaufgaben der Bollerwagentour geknüpft hatte, in einer ruhigeren Atmosphäre zu festigen. Und als Student nimmt man doch sowieso alles an, was kostenlos ist.

Alles in allem war die O-Woche ein idealer Start ins Stundentenleben. Man fühlt sich als Ersti am Anfang ziemlich klein auf diesem riesigen Campus und weiß nicht so recht, wohin. Die meisten oder sogar alle Gesichter, die einen so entgegen kommen, sind noch fremd. Man weiß, was studieren ist, aber so richtig dann irgendwie doch nicht. Was da so auf einen zukommt ist ungewiss und ob das wirklich das ist, was man für die nächsten drei oder fünf Jahre gerne tut, ist die nächste Frage. Nie vergesse ich den Montagmorgen, wo ich zum ersten Mal aus dem Bus stieg und mir die Glashalle in all ihrer Größe entgegenblitzte. Und ebenfall werde ich nie den Montagmorgen eine Woche darauf vergessen, an dem ich aus dem Bus stieg und wusste wohin ich gehen muss,  an dem zwischen den vielen Gesichtern ab und zu mal ein paar Bekannte auftauchten und ich nicht mehr allein, sondern mit Kommilitonen in der Mensa saß. Man hat die Uni sicherlich nicht in einer Woche entdeckt und sicherlich auch nicht herausgefunden, wie alles ganz genau funktioniert, aber dennoch hat die O-Woche einen in die richtige Richtung geschubst und den Weg frei gemacht. Man fühlte sich am Ende dieser Woche irgendwie ein Schritt weiter, ein Schritt näher am Angekommensein und bereit für die kommenden Wochen des Wintersemesters. Ich verbinde, und da denke ich, bin ich vermutlich nicht allein, die O-Woche mit einer Menge Spaß, aufgeschlossenen, netten neuen Leuten und den richtigen Input für einen guten Start an der Universität Bremen.

Allen zukünftigen Erstis wünscht der StugA eine genauso schöne O-Woche und damit auch einen genauso gelungenen Start in das Leben als Student – und allen anderen viel Spaß beim Mitmachen!

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